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Deutsch-Französische Gesellschaft Bochum-Ruhr e.V.

https://www.wikiwand.com/fr/De_l%27Allemagne

Mme de Staël (1810). De l’Allemagne.

In diesem Beitrag geht es um einen literatur- und geistesgeschichtlichen Reisebericht über Deutschland im 19. Jahrhundert. Das vierbändige Buch hat Mme de Staël 1810 fertig gestellt. Aber die napoleonische Zensur der Kaiserzeit hat das Erscheinen des Buches in Paris verhindert. Schließlich wurde das Buch 1813 zunächst heimlich in London gedruckt.

Die wechselvolle Geschichte der Veröffentlichung dieses Buches wird verständlich, wenn man die aufregenden politischen Ereignisse betrachtet, die die Entstehung dieses Buches begleitet und beeinflusst haben.

Zunächst stelle ich Ihnen die Autorin und danach ihr Buch vor. Schließlich skizziere ich die politische Situation der Zeit, in der das Buch entstanden ist.

Mme Anne Louise Germaine de Staël (1766-1816)

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Madame_de_Stael_Isabey.jpg
Source=http://annadomini.narod.ru/photo/painting/p19.jpg
Bild: Jean-Baptiste Isabey (1810 )

Mme de Staël wurde 1766 als Tochter des Vollbürgers der Republik Genf und Pariser Bankiers Jacques Necker und der Salonnière Suzanne Curchod geboren. Im Pariser Salon der Mutter lernte sie zahlreiche Autoren der Aufklärung kennen und entwickelte viele Talente. Ihr Lebenswerk umfasst insgesamt 33 Arbeiten und zahlreiche Übersetzungen.

Nach Napoléons Staatsstreich (1799) ging Mme de Staël gegen sein diktatorisches Regime in Opposition. Wegen politischer und publizistischer Aktivitäten gegen Napoléon wurde sie aus Frankreich verbannt. Die Zeit der Verbannung hat sie u.a. mit Reisen nach Weimar und Berlin (1803/4) und (1807/8) nach Wien zugebracht.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Über_Deutschland)

Das Buch „De l’Allemagne“

„De l‘Allemagne“ behandelt in vier Bänden u.a. soziologische und geografische Themen, Literatur, Künste, Philosophie, Moral, Gelehrsamkeit und Religion in Deutschland.

Das Napoleonischen Kaiserreich unterstützte in Frankreich die neoklassische französische Literatur und Kunst: Künstler müssen sich dabei an starre Regeln halten, um antike Themen dem aktuellen Geschmack anzupassen.

Im Unterschied dazu bediente sich die in Deutschland vorherrschende „Poésie des Germains“ persönlicher Eindrücke, um die Herzen der Leser und Kunstbetrachter zu berühren. Es ist das Programm der deutschen Romantik. Mme de Staël bezieht sie sich dabei auf Wieland, Goethe, Schiller und viele weitere deutsche Schriftsteller und Denker. (https://babel.hathitrust.org/cgi/pt?id=nyp.33433069357071&view=2up&seq=286&q1=Oh,%20France%20!)

Ganz am Ende des vierten Bandes findet man einen Ausruf, der als Quintessenz des Buches angesehen werden kann. Ich zitiere den Ausruf in freier Übersetzung:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Madame_de_Staël.jpg
François Gérard: Portrait of Madame de Staël (1766-1817); Duyckinick, Evert A. Portrait Gallery of Eminent Men and Women in Europe and America. New York: Johnson, Wilson & Company, 1873.

„Oh Frankreich! Land des Ruhmes und der Liebe! Wenn eines Tages die Begeisterung auf deinem Boden verlöschen würde, wenn Berechnung alles, sogar zur Missachtung von Gefahren anregen würde, wozu dienten dann dein wunderbarer Himmel, deine brillanten Köpfe und deine fruchtbare Natur? Ein aktives Geistesleben, eine gebildete Gewalt würden dich zum Herrn der Welt machen. Aber du würdest lediglich Sandströme hinterlassen, die ebenso grässlich wären wie Fluten und so trocken wie die Wüste!“

« Oh, France ! terre de gloire et d’amour ! si l’enthousiasme un jour s’éteignoit sur votre sol, si le calcul disposoit de tout, et que le raisonnement seul inspirât même le mépris des périls, à quoi vous serviroient votre beau ciel, vos esprits si brillants, votre nature si féconde ? Une intelligence active, une impétuosité savante vous rendroient les maîtres du monde ; mais vous n’y laisseriez que la trace des torrents de sable, terribles comme les flots, arides comme le désert ! »
« Cette dernière phrase est celle qui a excité le plus d’indignation à la police contre mon livre ; il me semble cependant qu’elle n’auroit pu déplaire aux Français. » (https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k9674144z/f426.image.texteImage); (p. 410 f.)

Diesen Ausruf kommentiert Mme de Staël mit Worten, die sich auf die Entstehungsgeschichte ihres Buches beziehen: „Dieser letzte Satz hat bei der Polizei höchste Empörung gegen mein Buch hervorgerufen. Es scheint mir jedoch, dass er den Franzosen nicht missfallen hätte.“

Zeit des Französischen Konsulats (1799-1804)

Das 2. Konsulat: Jean-Jacques Régis de Cambacérès, Napoleon Bonaparte und Charles-François Lebrun
fr:Henri-Nicolas Van Gorp – http://stef.abadie.perso.sfr.fr/IMAGES/4eme%20photos/revolution/x3consuls.jpg

Mit militärischer Rückendeckung durch Napoléon Bonaparte wurde am 10. Dez. 1799 in einem Staatsstreich das herrschende Direktorium abgesetzt. Napoléon Bonaparte wurde Erster von drei Konsulen. Auf Druck des Militärs hatte Napoléon Bonaparte faktisch die Macht eines Alleinherrschers. Man spricht von der Zeit des französischen Konsulats.

Alle drei Herren auf dem Porträt erscheinen irgendwie besorgt und wenig glücklich. Angesichts der großen Machtfülle von Napoléon Bonaparte ist das erklärungsbedürftig. Der Grund für Napoléons Unzufriedenheit dürfte darin liegen, dass es seinen Machtansprüchen in keiner Weise genügt, nur Einer von Dreien zu sein. Die Kaiserkrönung Napoléons im Jahr 1804 hat diesen für ihn unbefriedigenden Zustand beendet.

Kaiser Napoléon I und die Zeit des Premier Empire (1804-1814)

Im Jahr 1806 bildete sich auf Napoléons Initiative der Rheinbund, als ein Bund unabhängiger feudaler Staaten. Der Bund stellte ein Militärbündnis mit Frankreich dar. Im Rheinbund wurden kleinere Territorien und Reichsstädte zu größeren Gebieten zusammen geschlossen und kirchliche Besitztümer wurden säkularisiert.

Die Mitgliedsstaaten des Rheinbundes sind 1806 aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ausgetreten.
Die Rheinbundstaaten orientierten sich in Staat, Verwaltung und Recht stark an französischen Vorbildern: Zentralstaaten wurden geschaffen, in denen Landesherren eine geringe Rolle spielten; es wurden verantwortliche Ministerien geschaffen anstelle von nicht verantwortlichen Beratern der Monarchen; in vielen Staaten wurde der „Code Civil“ eingeführt.

Kurz: Aus Fürstentümern wurden moderne Staaten.

Frankreichs Armee besiegt Preußen (1806 – 1807)

  1. Okt. 1806 unterlag Preußen bei Jena und Auerstedt

Napoléon I. zog am 27. Okt. 1806 als Sieger in Berlin ein.
Juli 1807 wurde der Frieden in Tilsit zwischen Frankreich, Russland und Preußen geschlossen.

Niederlagen von Frankreichs Armeen (1812 – 1814)

Zum Russlandfeldzug brachen im Jahr 1812 ca. 450.000 Soldaten der „Grande Armée“ nach Russland auf. Im selben Jahr kehrten nur ca. 18.000 Soldaten wieder geschlagen zurück.
Napoléons Truppen unterlagen 1813 in der Völkerschlacht bei Leipzig den verbündeten Truppen von Russland, Preußen, Österreich und Schweden. Die Rheinbundfürsten mit Ausnahme der Könige Sachsens und Westphalens wechselten zu den Gegnern Frankreichs.
Am 31. März 1814 wurde Paris eingenommen, am 12. 4. dankte Napoléon ab und wurde nach Elba verbannt.

Publikation von „De l’Allemagne“ im Jahre 1813

Erst nach dem Zerfall von Napoléons Macht wurde das Buch zunächst noch heimlich 1813 in London gedruckt.

Das Buch wurde ein großer Verkaufserfolg.

Diese geistige Umbruchzeit in Frankreich, Deutschland und Europa war voller Krieg, Gewalt, gesellschaftlichen, geistigen und militärischen Umbrüchen und vielfältigen Ungerechtigkeiten. Das alles finde ich der Darstellung, Erinnerung und Mahnung wert.

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